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Fünf Jahre lang hat der Fotograf Yves Leresche Roma begleitet, die in Lausanne bettelten, bevor das Verbot in Kraft trat. Seine Bilder zeigen den Alltag dieser Familien in der Schweiz und in ihren Häusern in Rumänien.

Yves Leresche (Bilder) und Marie Vuilleumier (Text)

„Sie sind unermüdlich, immer auf der Suche nach dem Ort, an dem sie das meiste Geld verdienen können. Dann werden sie weggejagt und versuchen ihr Glück woanders. Immer und immer wieder.“ Der Fotograf Yves Leresche tauchte in den Alltag der Roma ein, die zwischen 2009 und 2015 in Lausanne bettelten, bevor das Verbot in Kraft trat.

Sein Werk mit dem Titel „Roma, die unermüdliche Suche nach dem Paradies“ zeigt das Leben dieser Menschen auf den Strassen der Schweiz, aber auch zu Hause in Rumänien.

Yves Leresche

lebt in Lausanne und arbeitet seit 1991 als freiberuflicher Fotojournalist. Für seine Bilder vom Frauenstreik vom 14. Juni 2019 hat er soeben den Swiss Press Photo Award 2020 gewonnen.

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„Ich fotografiere die Roma auf dem Balkan seit den 1990er-Jahren. Mit dem Fall des Kommunismus machte ich mir Sorgen über ihre Zukunft“, sagt Leresche. „Als sie in Lausanne, in meiner Stadt, ankamen, wurden sie schnell beschuldigt, von Mafias ausgebeutet zu werden und falsche Bettler zu sein. Darüber war ich sehr empört, denn ich wusste, dass das nicht stimmt.“

Um das wirkliche Leben dieser Menschen zu zeigen, beginnt der Fotograf, sie zu begleiten. Er schläft draussen bei ihnen, begleitet sie beim Betteln und unternimmt mehrere Reisen nach Rumänien.

Keine Arbeit wegen negativer Stereotypen

„Es war mir wichtig, ihren Alltag in der Schweiz und in Rumänien zu zeigen, damit die Menschen verstehen, dass sie nicht ausgebeutet werden“, sagt Leresche. „Das sind Familien, die von sich aus hierherkommen und nach etwas suchen, um zu Hause zu überleben.“

Das Bettelverbot im Kanton Waadt, das im November 2018 in Kraft trat, stürzte diese „echten Bettler“ in noch grössere Unsicherheit und zwang sie von einem Tag auf den anderen, nach anderen Lösungen zu suchen, wie der Fotograf sagt.

„Einige hatten fast zehn Jahre in der Schweiz verbracht. Das Verbot zerbrach sämtliche Beziehungen, die sie mühsam aufgebaut hatten und die zu einer Arbeit hätten führen können“, so Leresche.

Er beobachtet, dass das Muster immer dasselbe ist: Roma kommen in eine Stadt, Medien und Politiker instrumentalisieren die Existenz so genannter Mafianetzwerke und es werden Verbote ausgesprochen, angeblich um „die Bettler zu schützen“.

Diese Stereotypen, die durch mangelnde Kenntnisse entstehen, führen zu Ablehnung durch unsere Gesellschaft einerseits und zu einem Rückzug der Roma-Gemeinschaft andererseits, wie der Fotograf bedauert. „Ohne Hoffnung, Arbeit zu finden, und in Eile reisen die Roma weiter. Zum Betteln, um genug Geld für das Überleben ihrer Gemeinschaft zu verdienen.“

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„Diese Wirtschaftsmigration in Form von Rückreisen stört die Integrationsstrategien der westlichen Länder“, erklärt Leresche. „Es ist auch das, was mich fasziniert, dieses kulturelle Unverständnis: Es ist schwer zu verstehen, was die Roma durchmachen, und sie haben Schwierigkeiten zu verstehen, wie unser System funktioniert.“